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Probezeit erfolgreich geschafft - trotzdem kein Kündigungsschutz!?

9 von 10 Arbeitnehmern – und auch eine erschreckend hohe Anzahl an Arbeitgebern – denken, dass mit dem Ablauf der Probezeit sofort der besondere Kündigungsschutz nach § 1 Kündigungsschutzgesetz greift. Falsch gedacht!


Es ist zu differenzieren zwischen einer vereinbarten Probezeit und der sog. „Wartezeit“ für die Anwendung des besonderen Kündigungsschutzes:


  • Die gesetzliche „Wartezeit“ beträgt stets 6 Monate ab Beginn des Arbeitsverhältnisses. D.h. in den ersten 6 Monaten des Arbeitsverhältnisses kann der Arbeitgeber stets ohne Vorliegen von Kündigungsgründen kündigen. Erst ab dem 7. Monat des Bestehens des Arbeitsverhältnisses müssen die besonderen Kündigungsgründe nach § 1 KSchG vorliegen, d.h. verhaltensbedingte, personenbedingte oder betriebsbedingte Gründe. Erst dann besteht also der hohe Kündigungsschutz.

  • Dies wird oft verwechselt mit der sog. „Probezeit“, die individuell im Arbeitsvertrag vereinbart ist. Zwar beträgt diese oftmals ebenfalls 6 Monate, jedoch kann diese auch nur z.B. 3 oder 4 Monate andauern oder „großzügig“ vom Arbeitgeber verkürzt werden. Die Probezeit birgt aber lediglich den Vorteil einer verkürzten Kündigungsfrist (für Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer) von 2 Wochen gem. § 622 Abs. 3 BGB. Denn andernfalls gilt die normale gesetzliche Kündigungsfrist von 4 Wochen nach § 622 Abs. 1 BGB.

Mit anderen Worten: beträgt die Probezeit weniger als 6 Monate, also z.B. 3 oder 4 Monate, und ist diese erfolgreich durch den Arbeitnehmer geschafft, kann der Arbeitgeber immer noch ohne Vorliegen von Kündigungsgründen bis zum Ablauf von 6 Monaten kündigen. Erst dann ist die sog. „Wartezeit“ vorbei und es greift der besondere Kündigungsschutz nach § 1 KSchG.


Entscheid ist daher sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber der Ablauf des 6-Monats-Zeitraums seit Beginn des Arbeitsverhältnisses. Sind die ersten 6 Monate geschafft, genießt der Arbeitnehmer den besonderen Kündigungsschutz. Umgekehrt muss der Arbeitgeber sehr genau überlegen, ob er nicht vor Ablauf der 6 Monate „reagiert“ und das Arbeitsverhältnis ggf. kündigt.


Merke: nicht das Ende der Probezeit ist entscheidend, sondern das Ende des 6-Monats-Zeitraums seit Beginn des Arbeitsverhältnisses!